Mutterpasse Erklärung

Zu Beginn deiner Schwangerschaft bekommst du einen Mutterpass. Er beinhaltet alle wichtigen medizinischen Infos über dich und dein ungeborenes Baby und dokumentiert deine Schwangerschaft.

 

Wofür brauche ich den Mutterpass?

Der Mutterpass ist das wichtigste Dokument für dich während der Schwangerschaft. Du solltest ihn während der Schwangerschaft immer bei dir tragen. Er informiert dich stets über den Verlauf und aktuellen Stand deiner Schwangerschaft.

Sollte es dir einmal nicht gut gehen, kann jede Hebamme und jeder Arzt den aktuellen Stand deiner Schwangerschaft und die wichtigsten Infos über dein Kind und dich herauslesen. So kann euch im Notfall schnell geholfen werden.

Was wird in der Schwangerschaft alles gecheckt? 
Die Mutterschafts-Richtlinien

Der Mutterpass wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) des deutschen Gesundheitswesens herausgegeben. Der G-BA legt in den Mutterschafts-Richtlinien fest, wie und in welchem Umfang Schwangere von den Hebammen und Vertragsärzten im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung betreut werden. Diese Richtlinien werden gemäß dem aktuellen medizinischen Stand immer wieder angepasst.

Als Leitfaden zur praktischen Umsetzung dieser Richtlinien bei den werdenden Müttern dient der Mutterpass. Er dokumentiert vor allem die Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft. Sie sollen die Gesundheit von Mutter und Kind schützen und mögliche Gesundheitsstörungen rechtzeitig erkennen und behandeln lassen.

Auch dein Anspruch auf Untersuchungen und Beratungen nach der Geburt und die Verordnung von Medikamenten, Verbands- und Heilmitteln und die Ausstellung von Bescheinigungen sind in den Mutterschafts-Richtlinien geregelt.

Woher bekomme ich den Mutterpass und was steht alles darin?

Während der ersten Vorsorgeuntersuchung füllt dein Frauenarzt zusammen mit dir deinen Mutterpass aus. Falls du vorher schon einen Termin mit deiner Hebamme hast oder auf Arzttermine verzichten willst, kann dir auch deine Hebamme den Mutterpass ausstellen.

NEU ab 2022: Du hast die Wahl zwischen dem gedruckten Mutterpass und dem e-Mutterpass (eMP), der Teil der elektronischen Patientenakte (ePA) sein wird. Mehr Infos zum eMP findest du auf der Gesundheits-Website des Bundes.

Im ersten Teil des Mutterpasses wird eine “Bestandsaufnahme” durchgeführt:

  • Daten zur Erreichbarkeit deines “medizinischen Teams” (also deiner Hebamme, deines Frauenarztes und ggf. einer Klinik)
  • Deine persönlichen Daten
  • Daten zu allen Laboruntersuchungen während der Schwangerschaft und zum Rötelnschutz
  • Angaben zu deinen bisherigen Schwangerschaften
  • Angabe der Beratungen, die du zur Schwangerschaft erhältst
  • Deine Krankenvorgeschichte (Anamnese) und allgemeine Befunde zu dir und aus der ersten Vorsorge-Untersuchung: Hier wird ermittelt, ob du als “Risikoschwangere” eingestuft wirst und ggf. zusätzliche Untersuchungen oder Behandlungen benötigst.
  • Besondere Befunde im Schwangerschaftsverlauf
  • Terminbestimmung deines errechneten Geburtstermins
Gravidogramm
Ultraschalluntersuchungen

In der Mitte des Mutterpasses befinden sich das “Gravidogramm“. In dieser Tabelle wird bei jeder Untersuchung der aktuelle Stand deiner Schwangerschaft dokumentiert. Hier siehst du von Monat zu Monat (und zum Ende hin auch öfter) den Fortschritt deiner Schwangerschaft. Dahinter folgt die Übersicht zu den drei großen Vorsorgeuntersuchungen.

Im hinteren Teil findest du die Normkurven für das Wachstum deines ungeborenen Kindes und zu deiner Abschluss-Untersuchung nach der Geburt.

Jeder Mutterpass hat Platz für zwei Kinder. 🙂

Eine genaue Beschreibung der einzelnen Inhalte des Mutterpasses findest du beim Berufsverband der Frauenärzte e.V.

Wer führt die Untersuchungen durch und wer füllt den Mutterpass aus?

Die drei großen Ultraschalluntersuchungen im dritten, sechsten und achten Schwangerschaftsmonat führt der Frauenarzt durch, da er hierfür extra geschult ist. Bei allen weiteren Vorsorgeuntersuchung hast du jedoch die Wahl und kannst sie durchaus auch bei deiner Hebamme wahrnehmen. 

Dein Anspruch beschränkt sich aber nicht nur auf die Vorsorgeuntersuchungen, die zunächst alle vier Wochen und mit nahender Geburt oder bei Komplikationen auch engmaschiger durchgeführt werden. Sobald du Beschwerden hast, solltest du dich immer von deiner Hebamme oder gynäkologisch beraten oder untersuchen lassen.

Das Ergebnis jeder Untersuchung wird dann von der untersuchenden Person (also dem Arzt oder der Hebamme) eingetragen.

Keine Angst: du musst dies das nicht etwas selbst bezahlen. Dies ist Teil der Kassenleistung. Was die Krankenkasse noch so zahlt, liest du in den Mutterschafts-Richtlinien des G-BA und in unserem Artikel “Hebammenleistungen“.

Wichtig: Der Mutterpass ist DEIN Dokument. Wenn du mit etwas darin nicht einverstanden bist, dann ändere es!

Was wird bei den Vorsorgeuntersuchungen gemacht?

Bei jeder Schwangerschaftsvorsorge-Untersuchung wird im Rahmen der gesetzlichen Mutterschaftsvorsorge folgendes untersucht und im Gravidogramm dokumentiert:

  • Gewicht und Blutdruck
  • Urintest auf Eiweiß, Zucker und mögliche Blutungen, ggf. bakteriologische Untersuchungen und ab 6. Monat: Hämoglobinbestimmung
  • Gebärmutterstand, Herztöne des Kindes und Kindslage

Neben der “normalen Schwangerschaftsvorsorge” stehen zu folgenden Terminen weitere Untersuchungen an:

  • Erstuntersuchung zu Beginn der Schwangerschaft: Feststellung der Schwangerschaft, Anamneseerhebung, Beratung, allgemeine Untersuchungen, Urintest, Blutabnahme zur Bestimmung des Hämoglobin- (Hb) Werts, der Blutgruppe, des Rhesus-Faktors, der Antikörper, der Röteln-Antikörper, der Lues-Such-Reaktion (LSR) und ggf. HIV-Test
  • 9. bis 12. SSW: Erstes Ultraschallscreening (große Vorsorgeuntersuchung)
  • 19. bis 22. SSW: Zweites Ultraschallscreening (große Vorsorgeuntersuchung)
  • 24. bis 27. SSW: Antikörper-Suchtest wird wiederholt
  • 25. bis 28. SSW: Screening auf Schwangerschaftsdiabetes (Zucker-Test)
  • ab 26. bis 27. SSW: ggf. CTG (Kardiotokographie) = Herzton-/Wehenableitung
  • 29. bis 32. SSW: Drittes Ultraschallscreening (große Vorsorgeuntersuchung)
  • ab der 30. SSW: Beratung zur Anmeldung in der Geburtsklinik
  • ab der 32. SSW: HBsAG-Untersuchung (um festzustellen, ob das Baby nach der Geburt direkt eine Hepatitis B-Impfung braucht)

Alle Leistungen werden von den Krankenkassen bezahlt und sind freiwillig. Informiere dich vorher am besten über den Hintergrund der Untersuchungen und überlege, ob du sie wirklich haben möchtest. Es ist dein Körper und dein Baby. Viele Hebammen kritisieren zum Beispiel das Vorgehen und die Aussagekraft des Zucker-Tests.

Einen ausführlichen Überblick über alle Beratungs- und Untersuchungsangebote im Rahmen der gesetzlichen Mutterschaftsvorsorge liefert dir der Berufsverband der Frauenärzte e.V.

 

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Madlen von 40 Wochen

Während meiner ersten Schwangerschaft musste ich aufgrund meiner Placenta praevia vor der Geburt meiner Tochter zwei Wochen lang im Krankenhaus liegen. Ich unterzog mich auf ärztlichen Rat hin dreimal täglich einer CTG-Untersuchung. Aufgrund des Risikos war es für mich in dieser Zeit beruhigend zu sehen, dass es dem Baby gut ging und sich keine Wehen (die ich nicht haben durfte) ankündigten. Trotzdem musste ich für ein aussagekräftiges Ergebnis fast jedes Mal mein schlafendes Baby im Bauch wecken.

Diese Erfahrung hat mich irgendwie geprägt, sodass ich in meiner letzten Schwangerschaft bei der meine Plazenta sich dankenswerterweise eine bessere Lage aussuchte, komplett aufs CTG verzichtete. Ich fühlte mich gut, verließ mich was Wehen anging, auf meinen Körper und meine Frauenärztin untersuchte ab der 30. SSW sowieso die Herztöne im Ultraschall. Warum also CTG schreiben?! Die Sprechstundenhilfe schaute mich zwar vorwurfsvoll an, so nach dem Motto: Das ist doch kostenlos – Warum sind sie so eine Rabenmutter? Aber es gab mir gutes Gefühl und selbst meine Frauenärztin fand meine Entscheidung völlig legitim.

Madlen von 40 Wochen

 

Zusätzlich zu gesetzlichen Schwangerschaftsvorsorge, die die Krankenkasse bezahlt, werden dir in den Terminen noch einige weitere private Tests (Individuelle Gesundheitsleistungen – “IGeL”) angeboten. Sie können mögliche zusätzliche Risiken oder Anomalien erkennen.

Die häufigsten Zusatzuntersuchungen sind:

  • Messung der Nackentransparenz zur Bestimmung des Trisomie-Risikos
  • Toxoplasmose-Test
  • erweiterter Glukosetest
  • zusätzlicher Ultraschall, z.B. Organultraschall
  • Down-Syndrom-Test zur Bestimmung des Trisomie 21-Risikos

Bitte hinterfrage diese zusätzlichen Tests stets kritisch und informiere dich eingehend darüber, bevor du sie durchführst (zum Beispiel bei deiner Hebamme). Manche Tests sind nicht nur teilweise sehr teuer. Sie bergen auch oft Risiken und schüren bei manchen Frauen Ängste (zum Beispiel bei falsch-positivem Testergebnis). Einige Tests können auch Entwicklungsstörungen oder irreparable Gendefekte aufzeigen, für die es keine Behandlung gibt. Überlege vorher stets, was du mit einem negativen Testergebnis machen würdest.

 

Zusammenfassung 

Der Mutterpass beinhaltet alle wichtigen Daten und dokumentiert deinen Schwangerschaftsverlauf

Wie und welchem Umfang Schwangere im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung betreut werden, ist in den Mutterschafts-Richtlinien ist festgelegt

Dein Frauenarzt stellt ihn bei deiner ersten Vorsorgeuntersuchung aus

Bei jeder Vorsorgeuntersuchungen werden dein Gewicht und dein Blutdruck gemessen, dein Urin untersucht, der Gebärmutterstand ermittelt und Herztöne und Kindslage überprüft. Außerdem werden je nach SSW noch zusätzliche Untersuchungen durchgeführt

Hinterfrage stets, welche Untersuchungen du brauchst und haben möchtest

Im Rahmen der individuellen Gesundheitsleistungen gibt es zusätzliche Testangebote, über die du dich vorher eingehend informieren solltest

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Madlen von 40 Wochen

 

Hallo, ich bin Madlen – Zweifach-Mama aus Leidenschaft.

Deshalb betreue ich meine Kinder (Merle *2016 und Lenny *2019) jeweils die ersten drei Jahre selbst zusammen mit meinem Mann. Während meiner ersten Schwangerschaft fühlte ich mich mit dem Zusammensuchen aller Infos im Internet wie auf Glatteis. Also freute mich sehr, als mein Arbeitgeber mir eine kleine Liste mit den wichtigsten Behördengängen und Fristen zur Verfügung stellte. Dass das jedoch längst nicht alles war und noch viel mehr Themen auf mich warten würden (wie zum Beispiel den Steuerklassenwechsel oder die Möglichkeit eine Haushaltshilfe zu beantragen), stellte ich aber leider erst viel später fest. Deshalb reifte in mir schnell der Entschluss, dass es nicht jeder (Erstlings-)Mutter so gehen soll. So wurde die Idee zu 40 Wochen geboren. Ich freue mich so sehr, nun meine Leidenschaft mit dir und allen Müttern zu teilen. Und allen die dies hassen, Dinge zu planen und zu strukturieren oder Checklisten anzulegen (denn das mache ich wirklich gern), helfen zu können. Und nun: Verirre dich nicht im Behördendjungel, sondern leg‘ die Füße hoch, feiere deine Vorfreude und sei die beste Mama für dein Baby!

Deine Madlen von 40 Wochen